Irgendwo, zwischen Hier und Dort

Irgendwo, zwischen Hier und Dort, angrenzend an Marionetten- und Puppenland, liegt das Knuffelanien. Darüber, welches dieser Länder entscheidenderen Einfluss auf die Menschheit genommen hat, besteht Uneinigkeit seit den Tagen des einigen Urlandes.

Heute wird das Knuffelland in der 13ten Generation von Tönig Alphons, dem 13ten ebenso huldvoll, wie weise regiert.

Und im Marionettenland wacht ebenfalls in der 13ten Generation Tante Thea darüber, das es nicht zu üblen Strippenverstrickungen kommt, oder noch schlimmer, wie im Jahre 2004, als Tönig Alphons für 14 Tage Urlaub vom Regieren nehmen wollte und er Panda Panda aus unerfindlichen Gründen zu seinem zeitbegrenzten Stellvertreter ernannte.

So nahm das Schicksal seinen Lauf. Der Thron war noch warm von Alphons Po, als Panda Panda darauf zu schlappte und ihn in Besitz nahm.

1te Proklamation:

Laut rief Panda Panda in den leeren Thronsaal. “Ich Panda Panda, chinesischen Ursprungs, elternlos und bei IKEA adoptiert, wünsche das ab sofort, mir jeden Tag Geschenke gemacht werden müssen. Ganz viele.

Und von Tante Thea bekomme ich noch einmal so viele Geschenke, sonst schicke ich ihren Spion wieder nach Hause.”

Einen Spion gab es genauso im Marionettenland. Es war kein Geheimnis zwischen den Ländern und so erledigten die beiden Spione auch etliche Botengänge zwischen den Ländern. Es sparte Postgebühren und manch anderes und bürgte für kurze Wege.

Doch davon später mehr. Wie beschrieben, der Thronsaal erschien leer und eigentlich hatte Panda Panda auch nur vorgehabt die Bequemlichkeit des Thrones auszuprobieren, sowie die Akustik des Raumes zu testen. Denn nichts lag ihm ferner, als sich zu seinem offiziellen Urlaubsvertretungsantritt unangemessen zu verhalten.

Aber der Raum war nicht leer. Professor Doktor Hoppel, weltanerkannter Knuffellandmedikus, saß unbemerkt in einer Nische des Saales und dachte nach. Das tat er am Liebsten und oft und gerne im Thronsaal, der unter der Woche nur zu den morgendlichen Proklamationen genutzt wurde.

Alphons hatte das so verfügt, da seiner Meinung nach nur ein Thronsaal würdig genug war um eine Proklamation eines Tönigs verlautbaren lassen zu können.

Und so schlappte nun Panda Panda zufrieden mit sich und seiner Welt davon, während Professor Doktor Hoppel nicht wußte was er tun sollte. Der Stellvertreter des urlaubenden Alphons hatte gerade eben öffentlich eine Proklamation proklamiert. Und nun?

Hoppel wandte sich an den Majordomus, also dem Hausverwalter Alphons`s Leo Leopard, kurz Klapperer genannt, da er sein Kommen schon von Weitem durch das Tragen von etlichen Glöckchen, schokoladiger Weihnachtsmänner ankündigte. Er mochte einfach nichts aufregenderes in seinem Leben, als dem Regentanz zu huldigen, worin die Glöckchen eine nicht unwesentliche Rolle spielten.

Und nun regte er sich auf. Ja so sehr, das der Professor dem Hausverwalter einen sofortigen Regentanz verordnete um sich zu beruhigen.

Eine Proklamation ist eine Proklamation. Und öffentlich ausgesprochen, noch dazu im Thronsaal, war sie zu einer programmatischen  Proklamation geworden, der es unbedingt Folge zu leisten galt.

“Ein schlauer Hund, dieser Panda”, wie später auch der eilig herbeigerufene Hofstaat befand. Und so erfuhr auch der marionettenländische Spion, Heinz Maulwurf Düstermütz, von den Absichten Panda Pandas.

Man stelle sich vor, dieser chinesische Panda, adoptiert bei IKEA, stellte schon per se ein Risiko dar. Niemand wusste zu sagen, warum gerade er den Tönig vertreten durfte. Diese Tatsache führte selbst zu schwarzen Flecken auf den bisher so reinen Westen der Spione. Nichts, aber auch so gar nichts war über diese seltsame Entscheidung ihres Alphons nach außen gedrungen.

Kurzum, Geschenke mussten her. Zum Glück gab es noch die tönigliche Rumpelkammer auf dem Speicher, wohin alle Staatsgeschenke nach einer gebührenden Zeit der Aufmerksamkeit hin verlagert wurden.

Auch Dunkelmütz war nicht untätig. Zum ersten Mal in seinem Amt hatte er eine wirklich wichtige Information erhalten.

Und so lautete dann die Nachricht, als sie endlich bei Tante Thea in der Nacht, eintraf , das Marionettenland soll von nun an täglich 1000 Tribune oder Tribute (so genau wusste es der verschwitzte Dunkelmütz auch nicht mehr) in das Knuffelland schicken. Andernfalls gebe es Ärger.

Thea kämpfte sich unter ihrer voluminösen Bettdecke hervor und rief augenblicklich den Staatsrat zu sich.

 

Die Geschenke

Am Morgen schien die Sonne in Panda Pandas Zimmer, der zu seiner ersten Proklamation ein königsblaues breites Seidengeschenkband wie eine Schärpe angelegt hatte, welches in einer Schleife endete.

In der Nacht schlief er vor Aufregung nur wenig. Immer wieder wachte er auf und besah sich das Blatt mit Alphons Instruktionen für die nächsten vierzehn Tage, welches jetzt schon reichlich geknittert aber noch lesbar war. Wieder und wieder war Panda die Liste durchgegangen. Und nun konnte nichts mehr schiefgehen. Er würde jetzt da raus gehen….. ach nein, lieber noch einmal auf die Toilette gehen und dann da raus gehen.

Also er würde gleich da raus gehen, sich auf den Thronsessel setzten und Alphons Proklamation des Tages verkünden. Sie lautete   ” Meine geliebten Knuffelanier, kein Tag ist wie der andere. Möge es Panda dem Ersten, während meiner Abwesenheit wohlergehen. Dies ist mein Wunsch und Wille”

Aber bereits beim Verlassen seines Zimmers beschlich Panda ein seltsames Schaudern. Er fühlte sich von Blicken verfolgt. Gemurmel unbestimmten Inhalts vernahm sein Ohr. Aber niemand aber war zu sehen. Ach, versuchte er sich zu beruhigen, es waren wohl schon alle im Thronsaal versammelt. Er war ja auch ein wenig spät dran. Die Toilette und eigentlich schon wieder. Nur nicht dran denken, dann geht es schon.

So schlich er mehr, als das er schritt mit Herzklopfen in den Thronsaal. Und gleich hellte sich sein Gesicht wieder auf.

Die Hofgesellschaft aber hüllte sich in eisiges Schweigen, während Aushilfstönig Panda der Erste auf dem Thron Platz nahm. Dies erwies sich als schwierig, da vor und neben dem Thron eine Unzahl von Gegenständen verteilt waren. Fast so, als würde zum Flohmarkt gerüstet, als wäre hier alter Hausrat und Dekorationsartikel zusammengetragen worden um sich davon zu trennen.

Panda Panda war ratlos. Davon hatte nichts auf Alphons Liste gestanden. Nun denn, dachte er sich, und winkte Leo Leopard zu sich heran.

“Was soll ich damit machen?” Erwartungsvoll blickte Panda der Erste seinen Majordomus an. Dieser räusperte sich und tappelte von Pfote zu Pfote. Das war so ein wenig wie Regentanz zur Beruhigung.

“Mamamajestät, ihr wünschtet doch Geschenke!” Der Klapperer konnte es nicht verhindern das seine Glöckchen gerade jetzt durch sein nervöses Schwanzwedeln geradezu in unpassender Weise diesen Moment der proklamativen Proklamation  störten.

“Geschenke? Für mich? Ja wo denn?” Erfreut war Panda Panda etwas zu schnell von seinem Thron aufgesprungen, so das es um ihn herum nur so schepperte. Der Klapperer wich entsetzt einen Schritt zurück, der Hofgesellschaft entfuhr ein erschrockenes “Aaaah”.

Und der Aushilfstönig verstand nichts mehr. Irgendetwas ging hier gerade furchtbar schief. Oder Alphons hatte vergessen ihm etwas wohl wichtiges mitzuteilen. Vorsichtig setzte sich Panda Panda wieder auf den Thron. Er war ratlos. Vor und neben sich mittlerweile ein großes Durcheinander von, ja wie sollte er es nennen? Flohmarktware – Ramsch? Röhrender Hirsch im Elfenreigen? Tandiges Porzellan? Jedenfalls von allem etwas und von dem er nicht verstand, warum es ausgerechnet im Thronsaal liegen musste. Und wo waren die Geschenke? Was würde jetzt wohl Tönig Alphons machen?

 

Alphons macht Urlaub

Alphons hingegen reckte und streckte sich gerade ausgiebig und nachdem er sich dann auch noch am Bauch gekratzt hatte pantoffelte er im gepunkteten Schlafanzug zum Frühstück.

Ein strafender Blick traf ihn auf der Treppe und so kehrte er um. Vielleicht war die Idee doch nicht so gut gewesen, ausgerechnet bei Tante Sabine unterzutauchen um Urlaub zu nehmen. Doch als Tönig  Knuffelaniens blieben ihm nicht viele Möglichkeiten. Er konnte nicht mehr so einfach ins Menschenland. Und mit Thea verstand er sich auch nicht so. Die dauernden Strippenverhedderungen der Jungmarionetten und Theas Sinn für dramatische Auftritte, nein er war froh das die Spione beider Länder hier so hervorragende Arbeit leisteten.

Und so hatte er sich bei Tante Sabine angemeldet. Ja, angemeldet. Das galt auch für ihn als Tönig. Und dann hatte er auch noch Glück das Sabine ihn aufnahm. Eigentlich kümmerte sie sich um die Gestrandeten des Knuffellandes oder um jene die es ins Knuffelland zurückzog, aber noch keine Bleibe gefunden hatten.

So war nun also Tönig Alphons bei ihr gestrandet. Und so saß jetzt Alphons im legeren Freizeitlook an Sabines Küchentisch und widmete sich genussvoll den delikaten Eierkuchen mit Ahornsirup der Güte 3A, als es auf der Straße vor Sabines Haus zu einem Tumult kam.

Ungeheuerlich und vollkommen undenkbar seit den Zeiten des einigen Urlandes. Alphons schob den Stuhl vom Tisch, schnappte sich noch einen Eierkuchen für den Weg und begab sich eilends in Sabines Vorgarten.

 

Ach du armer Panda

Inzwischen war Bewegung in den Thronsaal gekommen. Der Hofstaat war in Auflösung begriffen und empörte sich laut über das ungebührliche Verhalten Panda Pandas, der Schande eines Aushilfstönigs. Ja, einige zweifelten sogar schon öffentlich am Verstand Alphons des 13ten. Alter schützte hier wohl nicht vor Senilität! Panda Panda blickte hilflos in die Runde.

So bemerkte er kaum das sich der Majordomus mit dem Hirtenstab des Nonnensäfchens bewaffnet wieder an die Seite Panda Pandas stellte. Er schlug mehrfach so stark auf die kunstvollen Intarsien des Parkettbodens, so das sich Ornamente lösten und der Zeremonienmeister für allgemeine Tagesgeschäfte, Alfred Scharlotte von Crocant, es ihm mit seinem Stab gleich tat. Gleichsam schoss das Nonnensäfchen im Hofstaat hin und her und bat um Ruhe, um ein besonnenes Handeln und gleich einmal mit um Vergebung für den Aushilfstönig.

So langsam beruhigten sich die Gemüter. Leo Leopard klapperte zwar immer noch, doch ungeachtet dessen, richtete er sich an die noch anwesenden und zurückkehrenden Knuffelanier im Thronsaal. “Das Wort hat der von unserem Tönig während dessen Abwesenheit eingesetzte Aushilfstönig Panda der 1te.”

Panda Panda erhob sich mit wackeligen Beinen und dem Gefühl einen Mühlstein um den Hals zu tragen. “Guten Morgen, liebe Knuffelanier” so begann er sich räuspernd und dem Gefühl im Hals, gleich kleine grüne Frösche zu spucken “Tönig Alphons läßt euch etwas mitteilen.

Proklamation:   Meine geliebten Knuffelanier, kein Tag ist wie der andere. Möge es Panda dem Ersten, während meiner Abwesenheit wohlergehen. Dies ist mein Wunsch und Wille.”

Wieder erhob sich ein Gemurmel und Geraschel im Saal.

“Und bitte räume hier doch mal jemand auf. Wie sieht das denn hier aus?”

Der Unmut im Saal nahm noch kein Ende. Bertha, die Ameise und Vertraute von Alfred Scharlotte meldete sich zu Wort. “Untertänigst Panda Panda, wieso fordert Ihr proklamativ Geschenke, wenn Ihr sie doch nicht wollt. Und dann morgen schon wieder? Wenn ihr hier schon aushelft, dann proklamatiert doch bitte eine Proklamation die weniger programmatisch ist. Das bringt mir ja das Ameisengift in Wallung.”

So sehr sich der Panda auch bemühte zu folgen, er verstand nichts mehr. Und daher beherzigte Panda Panda Alphons Rat, “kommst du nicht mehr weiter, mach ein nachdenklichklugweises Gesicht. Leider hatte ihm Alphons nicht gezeigt, wie das ging und Panda Panda hatte dazu auch nur genickt. Panda wollte heim. Aber wohin? Eine Knuffelfahrkarte für das Menschenland besaß er nicht. Und überhaupt und dann? Je länger er schwieg desto in sich gekehrter wurde er. Desto mehr drückte er sich in die Polster des Thrones.

Ein größerer Hase mit einer Möhre zwischen den Pfoten meldete sich zu Wort. “Gestatten, Professor Doktor Hoppel weltweit anerkannter Knuffelmedikus. Mir ist da gestern beim allabendlichem Nachdenken etwas zu Ohren……….. ”

Ja, das kennen wir bereits. Aber was tat sich da vor Tante Sabines Haus?

 

Tante Sabine hat es auch nicht leicht

Tönig Alphons bot sich über den Vorgartenzaun hinaus eine eigentümliche Szene und duckte sich hinter einer der beiden großen Bauernhortensien, die das weit offene Gartentor einrahmten.

Zur Rechten befand sich eine laute und wild gestikulierende große Abordnung des Marionettenlandes mit Tante Thea an der Spitze. Scheints stritten sie sich auch noch untereinander, da sich unter der Abordnung auch etliche Jungmarionetten befanden, die einfach mit gestürmt waren und nicht, zur eigenen Sicherheit notwendig, ihren Strippenrucksack mit sich führten. Wie man sich denken kann, eine allseitige Belastung, wenn es darum ging, mit würdevollem Nachdruck die Interessen des eigenen Landes im Ausland zu vertreten und dann überall Fallstricke liegen.

Und auf der anderen Seite Tante Sabine. Tante Sabine auf einem Stuhl sitzend mitten auf der Straße und mit einem aufgeschlagenem Buch auf ihrem Schoß.

Da Tante Sabine auch im Marionettenland als respektable Vertrauensperson galt, stoppte ihr Anblick mitten auf der Straße zunächst einmal den Tross.

“Sabine, wir kommen nicht zum Plausch. Wir kommen nie zu Plausch. Wir kommen in einer diplomatischen Verwicklung!” Thea baute sich breitbeinig, wenn auch etwas marionettentypisch wackelig vor Sabine auf.

Kampf der Giganten! David gegen Goliath. Nur wer war wer?

Sabine musste unwillkürlich leicht, aber nur sehr leicht und wirklich auch nur angedeutet lächeln, beim Anblick dieser Marionettaner, die es einfach nie fertig brachten richtig still zu stehen. Irgend etwas wackelte immer. Und das war auch der große Schmerz und die Archillesferse der Bewohner des Marionettenlandes. Hier gab es niemanden, der sie an Fäden und Spielkreuz bewegte. Hier bedurfte es langer Übung einigermaßen sicher zu stehen und zu gehen. Und wenn Marionetten, so unvermittelt zum Halten gebracht wurden, ja da gab es erst einmal kaum etwas was sie hielt. Das Trauma ihres Daseins, der unfreiwilligen Komik dienend.

“Thea, meine Liebe, du machst mir ein reichlich Getöse vor meinem Haus. Ich kann und werde das nicht gutheißen und frage mich wo denn die Manieren in deinem Land geblieben sind. Seit den letzten Tagen des einigen Urlandes ist mir so eine respektlose Disziplinlosigkeit nicht mehr vorgekommen. Was bedeutet dieser Auflauf?”

Düstermütz schob sich aus der Masse hervor.

 

Tante Thea bleibt zum Tee

Düstermütz, ein klein wenig verlegen, räusperte sich. Ihm war das alles nicht geheuer. Er hatte sich so sehr gefreut, endlich eine wirklich wichtige spionierte Botschaft überbringen zu können, das er glatt alles um sich vergaß. Richtig zu sich kam er erst wieder, als sich Tante Thea aus ihrem hochherrschaftlichem Bett hinaus hievte und nach ihrem Staatsrat rief.

Dann musste Düstermütz noch zwei Mal seine Botschaft wiederholen. Und beim zweiten Mal war er schon so verunsichert das er davon überzeugt war, Knuffelanien würde 1000 Tribune entsenden, um Tante Thea mit Geschenken und ihren Spion nach Hause zu schicken.

Tante Thea war außer sich und rief nach ihrem Kryptographen. Doch der war auf die schnelle auch um guten Rat verlegen.

Darauf begann Thea bedenklich zu wackeln

 

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Ein Platz zum Wohlfühlen

Willkommen Zuhause!

Es ist ein gutes Gefühl,

geborgen in guten Händen zu sein.

Jeder ist ein Teil des Ganzen.

Der Mensch ist unser Mittelpunkt.

Wir dienen einander,

sind für einander da.

Das Beste ist bei uns Standard.

Wir pflegen mitten ins Herz,

denn Sie haben noch viel vor.

Ein Zuhause für den Menschen,

für den wir das Beste wollen.

Hand in Hand

unser Service – ihr Leben.

 

So sitzen sie nun da, haben sich eingefunden zum wöchentlichen Literaturkreis.

Heute mit einem erwartungsfrohen neuen Gesicht.

„Lesen Sie auch so gerne?“

Der Nachbar zu ihrer linken scheint gerade ein Nickerchen zu machen.

„Pssst“, zischelt die Nachbarin von rechts „ Herr Kalinke schläft nachts so schlecht.“

Als hätte er es gehört richtet er sich kurz in seinem Sessel zurecht „Ich nehm von dem Kuchen. Aber nicht wieder von dieser gallentötenden Buttercreme!“

Dann fällt er wieder in sich zusammen und schlummert ohne eine weitere Störung vor sich hin.

Die Neue zählt auf Sieben. Mit ihr Acht.

Gerade noch vor ihrem Einzug diskutierte sie mit ihrem Enkel, dem Physiker, wie sie betonte, über den Schwarm von Frank Schätzing.

Sie liebte diese Gespräche über Literatur. Nur Bücher, Bücher sah sie hier im Raum keine. Würde sie auch nicht brauchen. So hatte man ihr gesagt und ihre Verwunderung darüber nicht weiter zur Kenntnis genommen.

Eine freundliche junge Frau betrat den Raum. Eine silberne Scheibe in der Hand.

Der Neuen schwante etwas.

Unbillig die Nase rümpfend entfuhr ihr im preußisch knappen Ton ein „Na Ja!“

Eine der anwesenden tippte der Neuen auf die Schulter.“Pssst! Jetzt geht es los.“

Und tatsächlich, Worte durchdrangen die erwartungsvolle Stille.

Leise hatte sich die junge Frau wieder zurückgezogen. Ihr Dienst war getan.

Die Neue schlug die Hände vors Gesicht.

Sirenen heulten. Das Kino musste geräumt werden. Die Reise nach Tilsit – rüde abgebrochen durch Fliegeralarm.

Damals bekam sie das Ende nicht mehr mit. Und heute weigerte sie sich das Ende dem Hörbuch zu entnehmen.

Leise erhob sie sich und zog sich zurück. Sorgsam darauf bedacht, bis auf ein leichtes Schaben ihres Stuhles beim Aufstehen, keine weiteren Geräusche zu verursachen.

Als sie die Tür hinter sich schloss, lehnte sie sich leicht dagegen. Eine Pflegehelferin kam auf sie zu. “Geht es Ihnen nicht gut? Sie hatten sich doch so auf den Literaturkreis gefreut!“

Die Neue fasste sich. „Wenn das der Literaturkreis ist, was passiert dann bitte im Musikkreis? Hören wir da Volkslieder vom Band?“

Die Pflegehelferin strich der Neuen sachte über den Arm. „Das wird schon. Und Sie werden sehen, im Handumdrehen haben Sie sich bei uns eingewöhnt.“

So hipp ist die Mitte

Neujahr ist`s geworden.

So gar nicht leise über Nacht.

Fast leer sind nun die Straßen. Eine Stadt zwischen wachen und träumen.

Geregnet hat`s – aus ist`s mit der Pracht.

Gestern noch deckte gnädig Schnee, Müll und Ramsch in der Straße.

Heute liegt er wieder da. Nackt und schonungslos. Das zerschlagene Toilettenbecken neben der Couch aus besseren Jahren, dem nun das Heu aus den Eingeweiden quillt. Ach sieh da, ein Kühlschrank ist dazu gekommen. Farbeimer neben Malergerät. Ein Fernseher hat sich eingefunden, Säcke aus denen Kleidung quillt.

Ein Idyll in berlinschen urban Style, verziert mit Unrat und Hundedreck.

Regen, warum nur hast du das Tuch zurückgezogen?

Immer noch liegt Pulvergeruch in der Luft. Ist`s noch nicht genug?

Papierner Matsch, rostrot getönt, dämpft die Schritte auf dem Pflaster. Inselgleich vor manch einer Tür.

Der Spaß hat nicht gereicht um die Hinterlassenschaften der Nacht mitzunehmen. Entsorgt gleich da, wo das Geld mit leuchtenden Augen und lautem Knall gen Himmel flog. Wen kümmern da schon die Reste.

Putzen?

Wieso?

Wisst ihr es denn nicht? Dies ist erst der Beginn der neuen Berliner hippen Mitte.

Alle Jahre wieder

Und wieder stehen wir da – und überlegen, wie war das Jahr?

Was wird es uns bringen, das Neue dort vor der Tür?

Kann es gelingen zu behalten das alte das bewährte?

Geht nichts verloren von alledem, was wir hegen, was wir pflegen?

 

Vorsicht mit der Tür – nur Spalt um Spalt.

 

So kann es gelingen, die Zeit zu gewinnen.

Sie sagt,“komm, mach dich bereit, geh deinen Weg“.

Nimm das Alte das Bewährte und vergiss das Neue nicht.

Und während du noch darüber nachdenkst, dich bewegst Schritt um Schritt, spürst du auch Veränderung.

So nimm sie an und prüfe wohl, wer von nun an dich begleitet, da nicht immer du es bist, der dir den Weg bereitet.

Vollkasko

Neulich im Bus.

Zwei junge Frauen unterhielten sich über das vergangene Wochenende.  Für eine der Frauen ein Grund um ausführlich und laut  von einem “Arsch mit den dazu passenden Ohren” zu erzählen, dessen einziger Vorteil es war,  auf dessen Fahrkarte mitfahren zu können.

Und während die Geschichte des Desasters weiter ihren Faden spann, begannen einige Mitfahrer  Mitgefühl für diesen namenlosen  “Arsch”  zu entwickeln.

Blicke gingen hin und her, Getuschel, von allem Etwas. Und doch blieb nur ein Blick fest auf die Frau gerichtet, eine Hand, die in angemessenen Abstand zu der Frau einen Ausweis von der Größe einer  Scheckkarte vor ihre Augen hielt und sie verstummen ließ.

Betont ruhig und freundlich waren seine Worte.

“Den Fahrausweis zur Kontrolle und brems dich mal – bevor du Vollkasko redest!”

“Schwierigkeiten”, fragte der mitfahrende Kollege des Kontrolleurs.

“Nein, nur eine Wochenendprincipessa “

antwortete der Kontrolleur und schob sich durch die im Gang stehenden Menschen, um an der nächsten Bushaltestelle mit seinem Kollegen auszusteigen.